Macht Obst dick? Schokolade und Apfel im Vergleich

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Wäre Schokolade gesund und könnte sie alle meine körperlichen Bedürfnisse ohne Nebenwirkungen abdecken, würde ich wahrscheinlich nichts anderes mehr essen... Vor allem hat es mir die Rum-Traube-Nuss von Rittersport angetan ;-)

Tatsächlich gehörte die obligatorische Tafel Schokolade Jahre lang zu meinem Alltag. Jeden Tag. Je größer desto besser. Mit der Zeit wurden die Portionen sogar größer. Eine 300g Schoko-Keks Milka als Snack war keine Seltenheit.

Klingt verdächtig, oder? Es muss doch einen Grund geben, weshalb so viele Menschen zu Dingen wie Schokolade, Kuchen und anderen Süßigkeiten greifen.

Genauso wie der Raucher sich rechtfertigen muss, weshalb er etwas zu sich nimmt, das dem Körper offensichtlich mehr schadet als hilft, stellte auch ich mir diese Frage.

Ist Schokolade etwa lebensnotwendig? Sicher nicht, sonst hätten sich unsere Vorfahren ziemlich schwer getan. Hat es Vorteile Schokolade zu essen?

Jede Zelle unseres Körpers benötigt einfache Zucker um verschiedene Prozesse ausführen zu können. Besonders unser Gehirn ist auf eine dauerhafte Versorgung angewiesen. Verschiedene Arten von Zucker findet man in allen möglichen Lebensmitteln.

Jedes Kind bekommt von seiner Mutter zu hören, dass Obst gesund ist. Wenn aber beides Zucker enthält, worin unterscheiden sich dann Schokokuchen und Apfel voneinander?

Schauen wir uns hierfür an, was mit beidem passiert, sobald wir es heruntergeschluckt haben:*

Der Schokokuchen

Landet der Kuchen im Magen, dauert es nicht lange bis der enthaltene Zucker ins Blut übergeht. Dies sind erwartungsgemäß keine kleinen Mengen- stellt euch einen Flashmob an Zucker vor, der unerwartet ins Blut eintritt.

Zu viel Zucker im Blut ist jedoch toxisch, weshalb unser Körper Mechanismen hat den Blutzuckerspiegel wieder zu senken. In erster Linie ist unsere Bauspeicheldrüse dafür zuständig, indem sie das Hormon Insulin produziert. Insulin ist eine Art Fluglotse, der  den Zucker aus dem Blut in unsere Zellen weiterleitet. 

Leider ist unsere Bauchspeicheldrüse nicht besonders gut darin große Mengen abzuschätzen. Das Ergebnis ist daher häufig, dass sie lieber zu viel Insulin produziert, wodurch der Blutzuckerspiegel jedoch tiefer sinkt als er soll. Das Resultat von zu tiefem Blutzuckerspiegel? Appetit oder sogar Heißhunger auf ungesundes :-/ 

Zusatzinformation - Fett:

Meistens finden wir in Süßigkeiten eine Mischung aus Kohlenhydraten und Fetten. Fette hemmen jedoch die Insulinfunktion, weshalb der Blutzuckerspiegel länger erhöht bleibt. Als Gegenmaßnahme versucht die Bauchspeicheldrüse mit zusätzlichem Insulin zu reagieren. Da Fette aber bis zu 48 Stunden in unserem Blut verweilen, bleibt die Bauspeicheldrüse im Dauereinsatz. Was passiert mit jemandem, der 24/7 arbeiten muss? Burn-Out. Genauso kann es passieren, dass unsere Bauchspeicheldrüse irgendwann überarbeitet ist und ihre Funktion einstellt. Wenn dies geschieht, ist man auf externes Insulin zur Regulierung des Blutzuckerspiegels angewiesen - eine Krankheit bekannt als Diabetes Typ 2! Glücklicherweise lässt sich fast jeder Burn-Out durch eine Umstellung der Lebensweise beheben ;-)

Der Apfel

Anders als beim Kuchen, ist der Zucker von Obst in eine Hülle aus Pflanzenfasern und Wasser eingepackt. Diese Hülle verhindert, dass die gesamte Menge des Zuckers gleichzeitig ins Blut kommt, wodurch die Bauspeicheldrüse nur schubweise kleine Mengen an Insulin freisetzen muss. Aus dem Flashmob wird also eine koordinierte Warteschlange mit Drehkreuz.

Es ist sogar nachgewiesen, dass regelmäßiger Konsum von Obst hilft, den Blutzuckerspiegel auf einem konstanten Level zu halten.

Natürlich enthält Obst noch viele weitere positive Inhaltsstoffe, auf deren Wirkung ich ein ander Mal eingehen werde.

(M)eine Lösung 

Letztes Jahr zur Fastenzeit hatten Toni und ich uns vorgenommen auf unnötige Zucker jeglicher Art zu verzichten. 40 Tage keine Muffins, Kuchen, Süßigkeiten und süße Getränke. Nicht einmal das Stück Zucker im Tee oder Kaffee sollten wir zu Gesicht bekommen. Wir fasteten nicht etwa aus religiösen Gründen, sondern nutzten die Zeit als bequeme Erklärung für unser Vorhaben: "Wie, du isst keinen Kuchen? Bist du etwa auf Diät, oder backe ich nicht gut genug?! - Ne, wegen der Fastenzeit. - Ach so..."

Das Experiment ist geglückt und hat gute Ergebnisse gebracht. Wir hatten nicht nur etwas Bauchspeck verloren, sondern fühlten uns insgesamt besser und waren stolz auf unsere Leistung :-)

Überzeugt von dieser neuen Lebensweise, nahm ich mir vor nie wieder Süßigkeiten zu essen... Jedoch war die Ewigkeit ein erschreckendes Konzept, weshalb ich doch wieder schwach wurde. Auch der gemäßigte Konsum scheiterte als Konzept. Seien wir doch ehrlich: Ist die Tafel Schokolade einmal geöffnet, wird es sehr selten bei nur einem Stück verbleiben... Ein Plan musste her.

Gelöst habe ich das Problem, indem ich mir vornam, nur noch am Mittwoch Süßes zu essen. Dann allerdings ohne die Zügel festhalten zu müssen.  

Bekam ich vorzeitig Lust auf etwas Süßes, kam es einfach auf meine Wunschliste und ich freute mich schon darauf, es in wenigen Tagen verschlingen zu können. 

Psychologisch hat dieses System 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude - die wenigen verbleibenden Tage konnte ich problemlos abwarten. Außerdem ahteten meine Cheat-Days anfangs zu richtigen Fress-Orgien aus, was zu Bauchschmerzen, Unwohlsein und Unlust auf mehr führte.

Nach und nach wurden aus Cheat-Days nur noch einzelne Cheat-Meals und mit der Zeit vergaß ich sogar, dass Mittwoch war und verzichtete so gänzlich darauf. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich meinen Körper endlich vom unnötigen Süßkram abgewöhnt. Um nicht wieder in alte Muster zu verfallen, habe ich die Regel trotzdem beibehalten -> Sixpack lässt grüßen ;-)

Fazit

Süßigkeiten machen nicht nur körperlich sondern auch psychisch abhängig und sind der Beginn eines Teufelskreislaufs. Ein übermäßiger Konsum macht sich nicht nur im Spiegelbild bemerkbar, sondern kann schwere Krankheitsbilder hervorrufen. 

Sollten wir deshalb gänzlich darauf verzichten? 

Ich glaube, dass es nicht die 10 Prozent dessen sind, was wir essen, die uns krank und dick machen, sondern die 90 Prozent. Ab und zu schadet es sicherlich nicht doch mal nach der Tafel Schokolade zu greifen - sie sollte aber nicht Grundlage der Ernährung sein.

Außerdem wird Selbstdisziplin überwertet. Planung ist wesentlich verlässlicher ;-)

In Gesellschaft ist es einfacher neue Gewohnheiten zu bilden. Sucht euch deshalb jemanden, mit dem ihr euer neues Vorhaben starten könnt.

Go Schoko-Free! 

*Die Darstellung ist stark vereinfacht und dient lediglich der leichteren Verständlichkeit.