Die Reise beginnt + Challenge

 Seht ihr meinen Flieger? ;)

Seht ihr meinen Flieger? ;)

Ich befinde mich gerade im Flieger auf dem Weg nach Kanada. Obwohl ich still sitze, bewege ich mich trotzdem mit einem Affenzahn auf mein Ziel zu. Das ganze ohne jegliche Anstrengung. Aber beginnt die Reise jetzt erst? Ganz sicher nicht. Diese Reise begann für mich an einem anderen Zeitpunkt. Nämlich als ich alleine am Klavier saß und die Idee auf mich wirken gelassen habe... Kurz darauf entschied ich mich dafür die Flüge zu buchen.

Lass auch uns auf eine Reise gehen.

Wo beginnt die Reise?

 Vegane Sicherheitsmaßnahme für den Flieger ;) 

Vegane Sicherheitsmaßnahme für den Flieger ;) 

Schon länger ist hier auf dem Blog nicht wirklich etwas passiert. Dies wird sich jedoch ändern. Warum? Weil ich es will. Generell ist der eigene Wille der einzig wirkliche Auslöser für Veränderungen.
Jede Veränderung beginnt mit einer Entscheidung. Genauso wie meine Reise nach Kanada im Kopf begonnen hat, beginnt auch jede körperliche Veränderung nicht erst im Training, sondern im Alltag.

"To change your body you must first change your mind"  - Christopher Sommer

Aber wie fange ich nun an, wenn ich etwas erreichen, etwas Neues lernen möchte?

Die erste Frage sollte lauten: wann fange ich an? Und die Antwort darauf ist meistens: sofort! Wozu warten? Erstmal muss der Stein ins Rollen gebracht werden. Das ist der schwierigste Schritt. Obwohl er eigentlich total einfach ist. Denn es muss nur eine Entscheidung getroffen werden. In dem Moment, in dem wir eine Entscheidung treffen, verändert sich unsere Realität. Unsere Wirklichkeit bekommt eine Richtung.

Vielleicht etwas bildlicher: In den traditionellen Kampfsportarten werden doch Gürtelgrade verteilt. Welcher Gürtel ist wichtiger, der Weiße oder Schwarze? Ich denke, dass es ganz klar der weiße Gürtel ist. Er offenbart nämlich Schwächen und gibt Richtung.

Es ist wie beim Navigationensystem. Zu allererst gibt man ein Ziel ein. Jeder kann mit genügend Fleiß und Zeit den schwarzen Gurt bekommen - ohne Weißgurt jedoch auch kein Schwarzer ;)

Schritt 1 - Ziel suchen

 Heutzutage kommt man überall hin - benenne dein Ziel

Heutzutage kommt man überall hin - benenne dein Ziel

Wo soll es hingehen? Das ist die wichtigste Frage. Was willst du wirklich lernen? Worauf hast du Lust? Was wird dir die größte Motivation geben? Es sollte ein für dich persönlich sinnvolles Ziel sein, nicht für jemand anderen. Ein starker Wille kann Berge versetzen. Lass dir daher nicht einreden, dass du nicht mehr in der Lage wärst beispielsweise einen Rückwärtssalto oder andere Kunststücke zu lernen, nur weil du aus der Pubertät raus bist. Wenn es 90 jährige Turner,  100 jährige Marathonläufer und Bodybuilder im gleichen Alter gibt, dann ist es auch für dich nicht zu spät. Man muss jedoch intelligent anfangen und realistische Zeitspannen einplanen. Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg.

Schritt 2 - Startpunkt bestimmen

 "Gegen die Welle komm ich schon an" -Selbstüberschätzung vom Feinsten  Photo:   http://instagram.com/connor_glover

"Gegen die Welle komm ich schon an" -Selbstüberschätzung vom Feinsten

Photo:  http://instagram.com/connor_glover

Wo beginnt meine Reise? Es macht einen himmelweiten Unterschied, ob ich von Frankfurt oder von Sydney  nach Neuseeland reisen möchte. Je nach Standpunkt müssen also unterschiedlich viel Zeit, Mühe und Kosten eingeplant werden.

Genauso ist es im Training wichtig zu schauen, wo man steht. Welche Beweglichkeitsdefizite habe ich? Welche Qualität haben meine fundamentalen Bewegungen? Wie stark bin ich in ihnen? Du kannst dich auch speziell an deinem Zielelement orientierten: Was kannst du bereits? Erstelle durch diese Bestandserhebung eine Art "Haben-Liste".

Viel zu oft überschätzen wir uns selbst und beginnen an einer falschen Stelle die Reise. Solche Reisen enden dann häufig mit dem Gesicht auf dem Boden (siehe diverse Videos spontaner Backflip Versuche) oder anderen Verletzungen. Sei ehrlich zu dir selbst! 

Schritt 3 - Weg planen 

 Hälfte bald geschafft :)

Hälfte bald geschafft :)

Wenn ich noch nicht in der Nähe des Flughafens bin, kein Auto habe, muss ich die ersten Meter vielleicht mit dem Fahrrad fahren, dann auf den Zug umsteigen und kann erst danach ins Flugzeug steigen. Dafür muss ich mir jedoch erst einmal alle mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausfindig machen. Mit wachsender Mobilität steigen auch meine Optionen an. Daher ist es nicht ratsam sich ausschließlich auf Fahrrad und Kanu zu verlassen, wenn man in Neuseeland zu Lebzeiten ankommen möchte ;) 

Selbst ein schlechtes Trainingsprogramm wird zu Erfolgen führen, solange man es regelmäßig durchführt. Aber nur ein gutes Programm wird Fortschritte bringen, ohne dabei Verletzungen zu riskieren. Deshalb stellen wir in diesem Schritt auf, welche Voraussetzungen und Möglichkeiten des Trainings für dein Ziel existieren. Das Stichwort für bewegungsorientiertes Training lautet hier Progressionen, Progressionen und nochmal Progressionen. Das heißt: welche Lernschritte und Übungsfolgen sollte ich gehen, um zum Ziel zu gelangen?

Mittlerweile kann man für jedes Vorhaben in sportlicher Hinsicht Informationen zur schrittweisen Erarbeitung jedes Elements binnen Minuten aus dem Internet fischen (zum Beispiel: Googlesuche: Planche Progressions). Natürlich wird man hier und dort einiges an Unsinn finden, aber auch das Filtern von Informationen will ja geübt werden ;)

Meine Herausforderung

Was habe ich mir für Kanada vorgenommen?Natürlich sind meine Ringe mit im Rucksack. In Anbetracht der Temperaturen werde ich diese aber nur begrenzt einsetzen können. Bei Minus 30 Grad Celsius werde ich eher selten Lust haben, die Ringe über einen Baum zu werfen ;)

 Üben kann man überall, man muss nur wollen :P

Üben kann man überall, man muss nur wollen :P

Da ich nicht weiß, was mir meine Umgebung bieten wird, habe ich mir zwei Bewegungen ausgesucht, die sich sehr gut ergänzen, keinerlei Hilfsmittel oder viel Platz benötigen und außerdem neben Kraft auch aktive Beweglichkeit erfordern. Obendrein befriedigen sie meine ästhetischen Ansprüche an Bewegung :D

Meine beiden Ziele sind: 

  • Der lansame Überschlag Rückwärts, auch als Bogengang oder Back Walkover bekannt und 
  • Der Wiener Handstand, oder Press to Handstand from Pike

Was ist nun genau die Herausforderung? Ich möchte in zwei Monaten, wenn ich wieder nach Deutschland zurückkehre, beide Elemente beherrschen. Ist das realisierbar? Unmöglich ist es jedenfalls nicht. Und wenn ich es nicht probiere, werde ich es ich nie erfahren ;)

In genau zwei Monaten werde ich ein Video von meinem Fortschritt in beiden Bewegungen veröffentlichen.

Schritt 4 - Umsetzung und Turbulenzen

 Die Straße ist weniger gut befahrbar als man dachte... 

Die Straße ist weniger gut befahrbar als man dachte... 

Der einzige Weg zum Erfolg ist und bleibt Konsistenz. Nachdem man weiß, was zu tun ist, muss man es auch umsetzen.

Einmal ist Keinmal, aber Zuviel auf einmal hindert mich am Rest meines Trainings. Es soll also kurz und schmerzlos sein. Mit einem Augenmerk auf Bewegungqualität. Daher halte ich mich gerne an zwei von Pavel Tsatsoulines Prinzipen für das Krafttraining:  "Rule of Ten" und "Grease the Groove" - 10 saubere Wiederholungen pro Tag. Klingt nach wenig, summiert sich aber ;)

Nur, weil ich mich für diese Art des Training entschieden habe, heißt nicht, dass du das auch machen musst. 

Was passiert, wenn ich meine Ziele bis zu diesem Tag nicht erreicht haben werde? Nichts Schlimmes. Es wird auch keine Niederlage sein. Denn ich weiß jetzt bereits, dass ich meinen Zielen definitiv näher kommen werde, wenn ich die nächsten zwei Monate konsequent an ihnen arbeite. Außerdem ist es völlig normal, dass etwas dazwischen kommen kann: das Wetter spielt nicht mit und man verpasst dadurch 2 Anschlussflüge und muss letztendlich doch Bus fahren muss... (Grüße aus dem Bus in Montreal :p). So lange man in Bewegung bleibt, kommt man dem Ziel aber definitiv näher.

 Before  

Before  

 After - don't be like Bambi :P

After - don't be like Bambi :P

Manchmal wird der Weg mir besonders steinig (verschneit :P) vorkommen und die Motivation ins bodenlose fallen. Das ist jedoch kein Grund den Kopf gleich in den Sand zu stecken. Dieses Auf und Ab ist völlig normal. Wie bei der Konjunktur muss man den gesamten Verlauf betrachten und nicht jeden einzelnen Tag. Es kann immerhin nicht immer Sommer sein. Auch der Winter hat seine Berechtigung und Aufgaben. Man muss dann nur im Hinterkopf behalten, dass nach jedem noch so Argen und kaltem Winter mit der Sonne auch der Frühling kommt. Soviel zur Motivation. Es kann aber auch gute Gründe geben, bewusst unterwegs kleine Umwege zu gehen. Beispielsweise hat  man nicht von Beginn an alle Progressionsschritte vollständig erkannt, man findet ein Defizit, das einem nicht bewusst war, man verletzt sich, oder ist übermotiviert ins Überttaining gerutscht. 

Accountability - Rechenschaft leisten

 Ein wirklich cooler Handstand ;) 

Ein wirklich cooler Handstand ;) 

Auch wenn intrinsische Motivation die Wichtigere ist, kann ein wenig positiver Druck von Außen zusätzlich helfen. Neben diesem Statement auf dem Blog habe ich deshalb auch persönlich mit lieben Menschen Wetten abgeschlossen. Der Wetteinsatz ist zwar lediglich ein gekochtes Gericht, aber dennoch eine Motivation. Vor allem die regelmäßigen Fortschrtittsmeldungen machen Laune und lassen bei Gelegenheit die Alarmglocken läuten. "Du bist schon so weit?! Da muss ich mich ranhalten..." 

Jetzt bist du gefragt

Was hältst du von der Idee? Nimmst du die Herausforderung an? Hast auch du ein Ziel, dem du näher kommen möchtest? Dann schließe dich mir an. Schreibe dein persönliches Ziel in die Kommentare. Wenn du mehr Erwartungsdruck möchtest und eine Community, die dich unterstützen wird, gehe auf Facebook und veröffentliche dort dein Vorhaben. Ich werde jede Nachricht, die an mich gelangt auch auf unserer Facebook Seite teilen. Am Ende des Zeitraumes möchte ich dort viele Videos von produktiven Menschen veröffentlichen können, die keine Angst vor Veränderungen hatten ;)

 

 

 

Nachtrag  - Exkurs "Charakterreise"

Sollten wir an unseren Schwächen arbeiten? Wird Erfolg nicht nur auf Stärken aufgebaut? Immerhin haben wir nur begrenzte Zeit auf dieser Erde und Veränderungen des Charakters sind meist sehr schwerfällig, wenn überhaupt möglich... Ich generalisiere ja gerne - aber irgendwie will mein Weltbild der Bewegung und das der Selbstverwirklichung nicht übereinstimmen... Reicht es vielleicht uns nur ganz ehrlich unserer Schwächen bewusst zu werden und dann einen Weg einzuschlagen, auf dem sie nicht stören, oder sich gar positiv auswirken?

Weiter gesponnen: falls tatsächlich nur die Wahrnehmung eine Rolle spielt - sind wir dann tatsächlich so schlecht darin unsere Schwächen selbst zu erkennen? Ist es zwingend nötig, sich Feedback von anderen zu besorgen? Oder reicht die romantische Fantasie der Meditation auf einem verlassen Berg, neben Wasserfall und Waldvögeln?

Ich weiß nicht, was ich nicht weiß - das ist mein größtes Problem.

Was denkst du?