Der Name wusste es früher als ich
Irgendwann merkte ich, dass der Name unseres Vereins nicht mehr passte. Nicht, weil er schlecht war, sondern eher, weil ich irgendwann aufgehört hatte, genau sagen zu können, was wir eigentlich machten.
Das klingt zunächst nach keiner besonders guten Eigenschaft für jemanden, der einen Verein leitet. Ehrlich gesagt wäre die treffendste Kursbeschreibung damals wahrscheinlich gewesen:
„Kommt zu Ama. Lasst euch überraschen.“
Mal standen wir auf den Händen, mal hüpften wir über Kästen, mal trainierten wir Klimmzüge oder tanzten, und nicht selten diskutierten wir länger über Bewegung, als wir uns tatsächlich bewegten. Manchmal begann ein Abend mit einem ziemlich konkreten Plan und endete damit, dass zwanzig Menschen begeistert etwas ausprobierten, das zwei Stunden zuvor noch niemand auf dem Schirm gehabt hatte.
Der Verein war ursprünglich ein Taekwondo-Verein gewesen. Das war weder ein Missverständnis noch eine Notlösung – es entsprach damals einfach dem, was ich machte. Nur hatte ich mich irgendwann verändert. Nicht plötzlich und auch nicht mit einer großen Entscheidung, sondern langsam, beinahe unbemerkt.
Ich lernte neue Menschen kennen, entdeckte neue Bewegungsformen, begann zu unterrichten, spielte Klavier, verliebte mich in Parkour, später in Handstand und schließlich in Akrobatik. Gleichzeitig beschäftigte ich mich immer intensiver mit Lernen, mit Körpern und mit der Frage, warum manche Räume Menschen mutiger machen als andere.
Nichts davon ersetzte das Vorherige.
Es kam einfach dazu.
Und genau deshalb passte der alte Name irgendwann nicht mehr zu dem, was am Abend in der Halle geschah.
Also schrieb ich mit Maik.
Lange.
Sehr lange.
Wenn zwei Menschen versuchen, einen Namen für etwas zu finden, das sie selbst noch nicht vollständig verstanden haben, entstehen erstaunliche Vorschläge. Unsere ersten Ideen klangen jedenfalls ungefähr so, wie man sich die Gedanken zweier Männer Anfang zwanzig eben vorstellt: möglichst kraftvoll, möglichst cool und möglichst so, als würde allein das Logo schon automatisch einen breiteren Rücken erzeugen.
Apex.
Irgendetwas mit Performance.
Irgendetwas, das nach Hochleistung klang.
Heute muss ich darüber ziemlich lachen. Es erinnert mich an die ersten Benutzernamen in Onlinespielen. Mit zwölf hält man NinjaAssassinKiller noch für einen ausgesprochen überzeugenden Künstlernamen; mit Anfang zwanzig glaubt man offenbar manchmal dasselbe über Vereinsnamen.
Nur eines wusste ich damals schon.
Das Wort Motion sollte er enthalten.
Bewegung war der gemeinsame Nenner. Alles andere änderte sich ständig.
Bis Maik irgendwann einen Vorschlag machte, der zwischen all den großen, starken und sehr beeindruckenden Namen fast ein wenig verloren wirkte.
Playground.
Motion Playground.
Ein Bewegungsspielplatz.
Ich mochte den Namen sofort. Nicht, weil ich darin schon meine heutige Theorie erkannt hätte – ganz bestimmt nicht. Ich fand einfach, dass er freundlich klang. Offen. Ein bisschen ungewöhnlich. Vor allem aber fühlte er sich größer an als alles, was wir bis dahin ausprobiert hatten.
Heute glaube ich etwas anderes.
Ich glaube, der Name wusste früher als ich, was aus diesem Verein einmal werden würde.
Ein erstaunlich ernsthafter Spielplatz
Wenn Erwachsene das Wort Spielplatz hören, denken sie meistens an etwas Harmloses: an Rutschen, an Sand und an Eltern, die ihren Kindern zum zwanzigsten Mal erklären, dass Sand bitte nicht gegessen wird, obwohl beide Seiten längst wissen, dass dieser Hinweis ungefähr drei Minuten Wirkung haben wird.
Kinder erleben Spielplätze völlig anders.
Dort wird verhandelt, erfunden, gefallen und wieder aufgestanden. Manchmal wird gestritten, meistens fünf Minuten später aber schon wieder gemeinsam gespielt. Ein Stock wird zum Schwert, ein Baumstamm zum Piratenschiff und ein Geländer plötzlich zu einer Aufgabe, die gestern noch unmöglich aussah.
Kein Kind fragt vorher:
„Bin ich eigentlich qualifiziert genug, um heute auf dieses Klettergerüst zu gehen?“
Es probiert.
Es scheitert.
Es probiert noch einmal.
Und niemand käme auf die Idee, daraus eine Identitätskrise zu machen.
Vielleicht ist genau das das Geniale an einem Spielplatz. Dinge dürfen wichtig sein, ohne sofort endgültig zu werden. Ein misslungener Versuch ist dort kein Urteil über den Menschen, sondern einfach der nächste Versuch.
Je länger ich darüber nachdenke, desto weniger halte ich Spiel für das Gegenteil von Ernst. Eigentlich ist es genau andersherum. Spiel ist die Form, in der wir den Ernst des Lebens üben, bevor er endgültig wird.
Vielleicht sind Spielplätze deshalb gar nicht harmlos.
Vielleicht sind sie Laboratorien.
Nicht für perfekte Ergebnisse.
Sondern für Möglichkeiten.
Damals hätte ich das niemals so formuliert. Damals hatte ich einfach einen Namen gefunden, der sich richtig anfühlte.
Heute glaube ich, dass der Name mich besser verstanden hat, als ich mich selbst.
Irgendwann verändert sich die Frage
Am Anfang wollte ich einfach einen Ort schaffen, an dem Menschen gerne trainieren.
Das erschien mir ehrlich gesagt schon anspruchsvoll genug.
Mit der Zeit passierte jedoch etwas Merkwürdiges. Menschen kamen nicht mehr nur zum Training, sondern blieben danach, halfen ganz selbstverständlich beim Aufräumen, erklärten Neuen Übungen, obwohl ich sie gar nicht darum gebeten hatte, verabredeten sich außerhalb der Hallenzeiten, organisierten gemeinsame Ausflüge, gingen zusammen Eisbaden, fuhren gemeinsam in den Urlaub oder saßen nach dem Training noch eine Stunde auf den Matten und führten Gespräche, die mit Handständen begonnen hatten und irgendwo zwischen Philosophie, Blödsinn und Lebensplanung endeten.
Ich erinnere mich nicht an den Moment, in dem das begann.
Wahrscheinlich, weil es keinen gab.
Es geschah langsam.
Fast unbemerkt.
Wie gute Freundschaften meistens entstehen.
Und irgendwann fiel mir auf, dass ich gar nicht mehr dieselbe Frage stellte wie früher.
Am Anfang fragte ich mich:
Wie kann ich bessere Trainingsstunden machen?
Irgendwann lautete die Frage plötzlich:
Was ist das eigentlich für ein Raum geworden?
Denn offensichtlich entstand dort mehr als ein Trainingsplan. Irgendetwas antwortete. Nicht laut, nicht spektakulär und schon gar nicht mit großem Tamtam, sondern auf eine stille Art, die man leicht übersieht, wenn man nur auf Übungen und Fortschritte schaut.
Jemand zeigte einem Fremden ganz selbstverständlich einen sicheren Weg aus dem Handstand.
Gerade die Jüngeren beobachteten das und dachten vermutlich:
Ach so. So macht man das hier.
Und ein Erwachsener dachte vielleicht zum ersten Mal seit Jahren:
Vielleicht darf ich das auch noch.
Damals hatte ich dafür noch keinen Begriff.
Heute würde ich sagen:
Der Raum begann, sich selbst zu stimmen.
Eine Turnhalle ist kein Raum. Sie ist ein Instrument.
Ich habe lange geglaubt, dass gute Trainingsstunden vor allem aus guten Übungen bestehen. Heute glaube ich, dass Übungen überschätzt werden – nicht, weil sie unwichtig wären, sondern weil sie allein erstaunlich wenig erklären.
Natürlich plane ich immer noch Stunden, denke über Progressionen nach und überlege, warum jemand seit Wochen an derselben Klimmzugzahl festhängt oder wie sich ein Handstand besser vermitteln lässt. All das gehört dazu.
Aber irgendwann fiel mir auf, dass dieselbe Übung in zwei verschiedenen Hallen etwas völlig Unterschiedliches hervorbringen kann.
Ein Handstand ist eben nicht einfach ein Handstand.
Es macht einen Unterschied, ob jemand ihn zwischen Spiegeln ausprobiert, in denen ständig der eigene Körper bewertet wird, oder auf einer alten Matte, auf der gerade drei andere Menschen ebenfalls um ihr Gleichgewicht kämpfen, herunterfallen und sich dabei gegenseitig anlachen.
Die Übung ist dieselbe.
Die Antwort des Menschen nicht.
Deshalb glaube ich heute, dass eine Turnhalle erst dann interessant wird, wenn sie aufhört, nur ein Gebäude zu sein.
Geräte machen noch keine Kultur.
Sonst wäre jeder Geräteraum ein Orchester und jeder Keller ein Museum.
Eine Halle wird erst dann zu einem Instrument, wenn sie Menschen aufeinander abstimmt – nicht indem sie ihnen sagt, was sie tun müssen, sondern indem sie bestimmte Antworten wahrscheinlicher macht.
Mut.
Hilfsbereitschaft.
Neugier.
Beharrlichkeit.
Oder die Bereitschaft, etwas völlig Albernes auszuprobieren, obwohl man dabei vermutlich aussieht wie eine Giraffe auf Rollschuhen.
So etwas steht in keiner Hallenordnung.
Zum Glück.
Es entsteht langsam, beinahe unbemerkt, durch tausend kleine Wiederholungen. Dadurch, dass Menschen immer wieder erleben, wie auf einen Fehler reagiert wird, wie jemand Hilfe bekommt, wie man miteinander spricht und worüber gemeinsam gelacht wird.
Kultur entsteht selten durch große Entscheidungen.
Fast immer entsteht sie durch Gewohnheiten.
Das Verrückte ist, dass kaum jemand darüber spricht
Wenn Menschen einen Verein beschreiben, reden sie meistens über das Angebot.
„Was macht ihr denn?“
„Calisthenics.“
„Ah.“
„Und Mobility.“
„Ach so.“
„Und Akrobatik.“
„Klingt spannend.“
Objektiv stimmt das alles.
Subjektiv trifft es den Kern erstaunlich schlecht.
Denn Calisthenics, Mobility und Akrobatik sind für mich längst keine drei Kurse mehr. Sie sind drei verschiedene Arten, dieselbe Frage zu stellen.
Calisthenics fragt:
Wie viel Form kann dein Körper tragen?
Es geht um Kraft, Spannung und Kontrolle – nicht als Selbstzweck, sondern als Fähigkeit, überhaupt antworten zu können.
Mobility stellt eine andere Frage:
Welche Möglichkeiten fehlen dir eigentlich noch?
Nicht stärker.
Sondern offener.
Nicht mehr Kraft.
Sondern mehr Beweglichkeit.
Mehr mögliche Antworten.
Und Akrobatik?
Akrobatik ist der Moment, in dem beides miteinander sprechen muss. Plötzlich reicht Kraft allein nicht mehr, Beweglichkeit ebenfalls nicht. Jetzt braucht es Timing, Vertrauen, Mut, einen anderen Menschen, die Schwerkraft und erstaunlich häufig genau den einen Versuch, bei dem man sich vorher ziemlich sicher war, dass er ohnehin nicht funktionieren würde.
Während ich dieses Kapitel schreibe, fällt mir etwas auf.
Ich glaube nicht einmal, dass ich mir diese Struktur damals bewusst ausgedacht habe.
Sie war einfach irgendwann da.
Erst Jahre später habe ich bemerkt, dass unsere drei größten Bereiche ziemlich genau das beschreiben, was später meine Theorie werden sollte.
Form.
Möglichkeit.
Beziehung.
Manchmal scheint der Körper Dinge früher zu verstehen als der Kopf.
Vielleicht gilt das auch für Vereine.
Das eigentliche Herz des Vereins
Viermal pro Woche gibt es Open Playground.
Von außen wirkt das manchmal etwas … unübersichtlich.
Jemand übt Handstand.
Daneben hängt jemand kopfüber an den Ringen.
Hinten jongliert jemand.
Zwei Leute versuchen irgendeinen Trick, dessen Name wahrscheinlich erst nach dem dritten Fehlversuch entsteht.
Auf einer Matte wird gedehnt.
Auf einer anderen sitzt jemand einfach nur und unterhält sich.
Und irgendwo räumt garantiert eine Person Geräte weg, die sie selbst gar nicht benutzt hat.
Wer zum ersten Mal hereinkommt, könnte leicht denken:
Die machen einfach alle, worauf sie Lust haben.
Ehrlich gesagt dachte ich am Anfang selbst, Open Playground bedeute genau das.
Heute sehe ich das anders.
Open Playground funktioniert überhaupt nicht deshalb, weil jeder macht, was er will. Er funktioniert, weil erstaunlich viele Menschen gelernt haben, aufeinander zu achten, ohne dass ihnen ständig jemand sagt, wie das zu geschehen hat.
Man weiß, wann man hilft.
Man weiß, wann man jemanden lieber noch einmal selbst scheitern lässt.
Man weiß, wann ein Tipp hilfreich ist – und wann er eigentlich nur den eigenen Mitteilungsdrang befriedigt.
Man weiß, dass ein misslungener Versuch nichts Peinliches ist.
Und man weiß, dass eine sechzigjährige Frau, die gerade ihren ersten Handstand ausprobiert, ungefähr genauso normal ist wie ein Fünfzehnjähriger, der zum ersten Mal Klimmzüge schafft.
Ich liebe diesen Gedanken.
Nicht weil Handstände so wichtig wären.
Sondern weil Normalität unglaublich mächtig ist.
Mut fühlt sich oft wie eine außergewöhnliche Eigenschaft an. In Wirklichkeit ist er erstaunlich häufig nur eine Frage dessen, was ein Mensch für normal hält.
Wenn in einer Halle Erwachsene selbstverständlich auf den Händen stehen, fangen irgendwann andere Erwachsene an, sich ebenfalls auf die Hände zu stellen.
Nicht weil plötzlich alle mutiger geworden wären.
Sondern weil sich ihre Vorstellung davon verändert hat, was hier offenbar dazugehört.
Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft neue Mitglieder nach ein paar Wochen Dinge ausprobierten, die sie sich am ersten Abend niemals zugetraut hätten.
Nicht weil ich sie überzeugt hätte.
Sondern weil sie gesehen hatten, dass alle anderen es genauso machten.
Vielleicht ist Kultur genau das.
Verdichtete Selbstverständlichkeit.
Nicht Regeln.
Nicht Vorschriften.
Sondern Antworten, die so oft gemeinsam gegeben wurden, dass sie sich irgendwann ganz natürlich anfühlen.
Das Programm, für das ich regelmäßig verflucht werde
Es gibt Trainingseinheiten, auf die freue ich mich schon beim Planen.
Merkwürdigerweise sind das oft genau dieselben Einheiten, bei denen ich zwanzig Minuten später in vierzig Gesichter blicke, die geschlossen der Meinung sind, dass ich offensichtlich persönliche Probleme haben muss.
Nicht ernsthaft.
Aber mit einer erstaunlichen Einigkeit.
Ich mag Zirkel.
Nicht diese Sorte Zirkel, bei der man nach drei Stationen das Gefühl hat, Sport sei im Grunde nur ein etwas anstrengenderer Spaziergang.
Ich meine die anderen.
Die, bei denen nach wenigen Minuten Geräusche entstehen, die irgendwo zwischen Krafttraining, Gebet und einer höflich formulierten Beschwerde liegen.
Spätestens nach der dritten Runde kommt garantiert jemand vorbei und sagt:
„Ama … ganz ehrlich … warum?“
Eine ausgezeichnete Frage.
Ich habe selten eine gute Antwort.
Meistens grinse ich nur ein bisschen zu zufrieden.
Denn das Interessante passiert nicht während der ersten Liegestütze und auch nicht während der letzten.
Es passiert dazwischen.
Irgendwann schaut man hoch.
Alle kämpfen.
Alle sehen ungefähr gleich würdevoll aus.
Also gar nicht.
Und plötzlich lacht jemand.
Nicht weil es leichter geworden wäre.
Sondern weil alle gleichzeitig merken, dass sie gerade dieselbe Absurdität teilen.
Wir sitzen im selben Boot.
Oder genauer gesagt:
Wir liegen gemeinsam auf derselben Matte und bereuen ähnliche Entscheidungen.
Allein wäre dieselbe Belastung wahrscheinlich einfach nur anstrengend.
In der Gruppe verändert sie ihren Charakter. Nicht ihre Intensität, sondern ihre Bedeutung.
Die Gruppe nimmt niemandem die Herausforderung ab.
Sie macht sie tragbar.
Ich glaube, das ist einer der wichtigsten Unterschiede, die ich in den letzten Jahren verstanden habe.
Ein guter Raum schützt Menschen nicht vor Schwierigkeit.
Er verhindert nur, dass sie ihr allein begegnen müssen.
Die schönsten Gespräche finden an der Hallentür statt
Die Momente, die mir am meisten bedeuten, passieren erstaunlich selten während des Trainings.
Sie passieren danach.
Jemand bleibt noch kurz stehen, eigentlich nur, um Tschüss zu sagen, und plötzlich entwickelt sich ein Gespräch, das viel länger dauert als geplant.
Vor ein paar Wochen kamen mehrere Studierende unabhängig voneinander zu mir. Sie würden bald aus Weimar wegziehen.
Ganz normal.
Das Studium war vorbei.
Neue Stadt.
Neuer Job.
Neues Leben.
Sie erzählten, dass sie sich bereits nach Trainingsmöglichkeiten umgesehen hätten.
Dann fiel mehrmals fast derselbe Satz.
Nicht abgesprochen.
Nicht dramatisch.
Ganz beiläufig.
„Ich glaube, so etwas finde ich dort nicht wieder.“
Oder:
„Ich habe hier gelernt, meinen Körper völlig anders wahrzunehmen.“
Solche Sätze machen etwas mit mir.
Nicht weil sie mein Ego streicheln.
Sondern weil sie mich überraschen.
Ich wollte nie Menschen beibringen, wie sie über ihren Körper denken sollen.
Ich wollte eigentlich nur einen Ort schaffen, an dem Bewegung Freude macht.
Offenbar passiert dort manchmal mehr.
Noch merkwürdiger finde ich Besuche ehemaliger Mitglieder.
Manche wohnen inzwischen in anderen Städten und kommen trotzdem vorbei. Sie trainieren mit, erzählen, wie es ihnen geht, und irgendwann fällt fast zwangsläufig derselbe Satz:
„Ihr müsst Motion Playground eigentlich überall gründen.“
Meistens folgt unmittelbar danach die ernüchternde Ergänzung:
„Ich habe wirklich gesucht. Ich habe nichts Vergleichbares gefunden.“
Ich weiß bis heute nie so richtig, was ich darauf antworten soll.
Vielleicht, weil ich selbst gar nicht genau weiß, was sie eigentlich vermissen.
Sind es die Geräte?
Sicher nicht.
Die gibt es überall.
Die Trainingspläne?
Auch nicht.
Handstände kann man an vielen Orten lernen.
Es muss etwas anderes sein.
Etwas, das sich nicht einfach bestellen oder kopieren lässt.
Vielleicht tatsächlich der Raum.
Oder genauer:
Die Kultur, die zwischen den Menschen entstanden ist.
Ein Verein besteht nicht aus Kursen
Das Verrückte ist, dass unser Wochenplan ziemlich unspektakulär aussieht.
Montags Calisthenics.
Mittwochs Mobility.
Freitags Akrobatik.
Dazwischen immer wieder Open Playground.
Von außen betrachtet eben ein Trainingsplan.
Von innen fühlt er sich völlig anders an.
Denn irgendwann geht es nicht mehr darum, welche Kurse stattfinden, sondern darum, wer den Raum mitträgt.
Ich merke das jedes Mal, wenn neue Menschen dazukommen. Früher dachte ich, ich müsste ihnen alles erklären – wo die Matten liegen, wie wir trainieren oder wie man miteinander umgeht. Heute passiert das erstaunlich oft ganz ohne mich.
Jemand zeigt ihnen die Halle.
Jemand erklärt einen Griff.
Jemand hilft beim ersten Handstand.
Jemand räumt gemeinsam auf.
Jemand setzt sich nach dem Training noch dazu.
Es gibt keinen Arbeitsauftrag dafür.
Keine Einteilung.
Keine Pflicht.
Es geschieht einfach.
Und jedes Mal denke ich, dass genau so ein Raum lebendig bleibt. Nicht, weil einer alles organisiert, sondern weil irgendwann viele Menschen anfangen, Verantwortung zu übernehmen, ohne dass sie sich überhaupt wie Verantwortung anfühlt.
An manchen Stellen wird das besonders sichtbar.
Bei Toralf zum Beispiel.
Er ist unser Geschäftsführer und kümmert sich seit Jahren um genau die Dinge, für die ich vermutlich der denkbar ungeeignetste Mensch wäre. Satzungen, Formulare, Fristen, Mitgliedslisten, Versicherungen, all die unsichtbaren Aufgaben, die einen Verein am Laufen halten und über die kaum jemand nachdenkt, solange sie funktionieren.
Er macht das freiwillig.
Nicht, weil jemand ihn darum bitten müsste.
Und schon gar nicht, weil er dafür ständig gelobt werden möchte. Ehrlich gesagt vermute ich, dass ihm dieser Absatz schon zu viel Aufmerksamkeit wäre.
Vielleicht ist genau das Kultur.
Nicht, dass einer alles macht.
Sondern dass Menschen Verantwortung übernehmen, weil ihnen der gemeinsame Raum wichtig geworden ist.
Wenn ich sage, dass Motion Playground von vielen getragen wird, dann meine ich genau solche Menschen.
Die meisten Besucher sehen Toralfs Arbeit wahrscheinlich nie.
Und gerade deshalb ist sie so wertvoll.
Resonanzräume entstehen nicht nur durch diejenigen, die im Mittelpunkt stehen.
Sie entstehen genauso durch die Menschen, die im Hintergrund dafür sorgen, dass all das überhaupt möglich ist.
Vielleicht ist das überhaupt der Moment, in dem aus einem Angebot ein Verein wird.
Nicht dann, wenn genügend Mitglieder da sind.
Sondern dann, wenn Menschen anfangen zu sagen:
„Unser Verein.“
Nicht:
„Der Verein, bei dem ich trainiere.“
Unser.
Es ist nur ein kleines Wort.
Aber manchmal entscheidet genau dieses kleine Wort darüber, ob Menschen Kunden bleiben oder anfangen, einen Ort mitzutragen.
Ein Zeichen, das erst später Bedeutung bekam
Irgendwann fiel mir noch etwas auf.
Jedes neue Mitglied bekommt bei uns zur Anmeldung ein T-Shirt. Vorne ist groß unser Logo zu sehen – sonst nichts. Kein Slogan. Keine Internetadresse. Nur dieses eine Zeichen.
Das war Absicht.
Ich mochte den Gedanken, dass es sich einer schnellen Erklärung entzieht. Wer das Shirt zum ersten Mal sieht, erkennt meistens etwas anderes darin. Manche sehen einfach ein merkwürdiges Symbol. Andere einen Einschaltknopf, wie auf einem alten Elektrogerät. Wieder andere fühlen sich an das Logo von Quake erinnert. Je nachdem, wie alt man ist und womit man aufgewachsen ist, erzählt dieses Zeichen plötzlich eine andere Geschichte.
Eigentlich ist es viel einfacher.
Es ist nur ein P.
Das P von Playground.
Damals erschien mir das selbstverständlich. Wenn schon ein einzelner Buchstabe für den Verein stehen sollte, dann der wichtigste. Heute frage ich mich manchmal, ob selbst dieses kleine P schon früher verstanden hat als ich, worum es bei Motion Playground einmal gehen würde.
Denn je länger der Verein existierte, desto mehr veränderte sich seine Bedeutung.
Nicht durch das Design.
Nicht durch irgendeine Marketingidee.
Sondern durch Menschen.
Mit jedem neuen Mitglied tauchte dieses Zeichen auf einer weiteren Brust auf, bis ich ihm irgendwann außerhalb der Halle begegnete. Erst in Weimar, später in Erfurt und schließlich auch in ganz anderen Städten. Man läuft durch eine Fußgängerzone, hebt kurz den Blick und entdeckt plötzlich dieses P auf dem T-Shirt eines Menschen und weiß sofort, dass man denselben Ort kennt.
Meistens reicht dann ein kurzes Grinsen.
Manchmal ein Nicken.
Mehr braucht es oft gar nicht.
Ich musste dabei irgendwann an Fight Club denken.
Nicht wegen der Prügeleien.
Zum Glück nicht.
Sondern wegen dieser merkwürdigen Idee, dass ein Zeichen für Außenstehende fast bedeutungslos wirken kann und für andere trotzdem sofort eine ganze Geschichte erzählt.
Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass dieses kleine P etwas Grundsätzliches über Kultur erzählt.
Ein Symbol schafft keine Gemeinschaft.
Gemeinschaft verleiht einem Symbol Bedeutung.
Ohne all die Trainingsabende, das gemeinsame Scheitern, Lachen, Schwitzen, Aufräumen, Diskutieren und Wiederkommen wäre dieses Logo nichts weiter als ein paar weiße Linien auf schwarzem Stoff.
Erst die gemeinsam gelebten Erfahrungen machen daraus ein Erkennungszeichen.
Nicht für einen Verein.
Sondern für einen Ort, den Menschen gemeinsam mitgetragen haben – und der sie gleichzeitig selbst geprägt hat.
Der Verein hat mich mitgebaut
Lange dachte ich, ich würde Motion Playground gestalten.
Das stimmt natürlich auch – zumindest teilweise. Ich plane Trainings, organisiere Veranstaltungen, beantworte Nachrichten, unterrichte und räume erstaunlich oft dieselbe Matte weg, die offenbar eine sehr persönliche Beziehung zum Liegenlassen entwickelt hat. Von außen betrachtet sieht es deshalb tatsächlich so aus, als würde ich den Verein formen.
Irgendwann merkte ich jedoch, dass diese Geschichte keine Einbahnstraße ist.
Je länger Motion Playground existierte, desto deutlicher wurde, dass der Verein mich mindestens genauso verändert wie ich ihn. Kinder stellen Fragen, auf die ich selbst nie gekommen wäre, Erwachsene erzählen Geschichten, die ich nie erlebt habe, und Mitglieder bringen Ideen mit, die allein vermutlich nie entstanden wären. Manchmal entwickelt sich aus einem beiläufigen Nebensatz ein neues Angebot, manchmal wächst aus einem gemeinsamen Scheitern eine Tradition, und manchmal erzählen mir andere von einer Kultur, die längst entstanden ist, bevor ich überhaupt bemerkt habe, dass sie da ist.
Vielleicht ist genau das das Merkwürdige an lebendigen Räumen.
Man glaubt, sie zu gestalten.
Irgendwann merkt man, dass sie zurückgestalten.
Ich leite diesen Verein.
Das stimmt.
Aber ich werde dort genauso geleitet – von Begegnungen, Rückmeldungen, Konflikten, von Menschen, die mich freundlich darauf hinweisen, dass meine Trainingsplanung gelegentlich eine gewisse Neigung zur Übertreibung besitzt, und von all den kleinen Momenten, in denen ich sehe, dass etwas funktioniert, das sich nie hätte planen lassen.
Vielleicht ist genau das die ehrlichste Definition eines Resonanzraums.
Nicht ein Ort, an dem einer die Richtung vorgibt.
Sondern ein Ort, der beginnt, auf alle zurückzuwirken, die ihn betreten.
Auch auf den, der ihn ursprünglich gebaut hat.
Gute Räume geben keine Antworten. Sie verändern die Fragen.
Früher war ich überzeugt, dass gute Trainer vor allem die richtigen Antworten kennen.
Heute glaube ich, dass gute Räume etwas viel Interessanteres tun. Sie beantworten Fragen nicht – sie verändern sie.
Nicht als Leitbild an der Wand, nicht als Motivationsspruch und schon gar nicht dadurch, dass jemand den anderen erklärt, wie sie zu denken haben.
Sie tun es körperlich.
Ein Handstand fragt plötzlich, ob du bereit bist, dein Gewicht einmal völlig anders zu organisieren. Partnerakrobatik fragt, ob du einem anderen Menschen so weit vertrauen kannst, dass ihr gemeinsam etwas versucht, was keiner von euch allein könnte. Mobility interessiert sich nicht dafür, wie beweglich du bist, sondern fragt viel grundsätzlicher, wo dein Körper eigentlich aufhört. Und Calisthenics stellt immer wieder dieselbe geduldige Frage: Kannst du Kraft über Wochen und Monate hinweg wachsen lassen, statt sie erzwingen zu wollen?
Am schönsten finde ich allerdings die Frage, die Open Playground stellt.
Nicht laut.
Nicht ausdrücklich.
Sondern ganz selbstverständlich.
Worauf bist du heute eigentlich neugierig?
Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass genau darin der Unterschied liegt. Es geht nicht darum, Menschen in eine bestimmte Richtung zu drücken oder ihnen vorzuschreiben, was sie lernen sollen. Es geht darum, einen Raum zu schaffen, in dem gute Fragen fast von selbst auftauchen und Menschen Lust bekommen, ihnen nachzugehen.
Vielleicht unterscheidet sich genau darin Unterricht von Bildung.
Unterricht gibt Antworten.
Bildung verändert die Fragen, die wir uns stellen.
Ich hoffe jedenfalls, dass Motion Playground manchmal eher das Zweite ist.
Freiheit braucht überraschend viel Form
Von außen wirkt ein Spielplatz oft wie das Gegenteil von Ordnung. Kinder rennen kreuz und quer, einer klettert, eine andere buddelt, während zwei sich darüber streiten, wem der Stock gehört, der vor ungefähr drei Minuten noch ein Ast war. Es sieht chaotisch aus – und ist es doch erstaunlich selten.
Denn Spiel funktioniert nur, weil gleichzeitig unzählige unausgesprochene Regeln gelten. Man drängelt nicht absichtlich von der Rutsche, hilft kleineren Kindern manchmal hinauf, wartet, achtet aufeinander und merkt erstaunlich schnell, dass Freiheit ohne Rücksicht nur sehr kurze Freude macht.
Ich glaube, Erwachsene vergessen das manchmal. Wir setzen Freiheit gern mit Beliebigkeit gleich, nach dem Motto: Jeder macht einfach, worauf er Lust hat. Das funktioniert ungefähr so gut wie ein Orchester, in dem jeder gleichzeitig entscheidet, welches Stück heute gespielt wird.
Open Playground lebt deshalb nicht trotz seiner Form, sondern gerade wegen ihr. Es gibt kaum starre Vorgaben, dafür aber Haltung, Aufmerksamkeit, Verantwortung und Menschen, die den Raum mittragen. Und manchmal gehört eben auch jemand dazu, der freundlich sagt:
„Vielleicht springst du heute lieber auf die Matte als daneben.“
Auch das ist Teil eines Spielplatzes.
Nicht jede Freiheit ist eine gute Idee.
Die Schwerkraft ist in dieser Hinsicht bemerkenswert konsequent.
Manche Dinge kann man nicht kaufen
Manchmal werde ich gefragt, warum Motion Playground in den letzten Jahren so gewachsen ist. Die Antwort enttäuscht wahrscheinlich all jene, die auf ein besonders ausgeklügeltes Marketingkonzept hoffen.
Wir haben nie ernsthaft Werbung gemacht.
Natürlich gab es hier und da einen Hinweis auf neue Angebote oder einen Beitrag in den sozialen Medien. Aber das war nie der Motor. Trotzdem kamen immer mehr Menschen – nicht explosionsartig, sondern langsam, beinahe organisch. Jemand brachte einen Freund mit, der wiederum seine Schwester mitbrachte, die ihrer Mitbewohnerin davon erzählte, welche schließlich einen Kollegen überzeugte. Irgendwann standen Menschen in derselben Halle, die sich über völlig unterschiedliche Wege kennengelernt hatten und trotzdem das Gefühl hatten, am selben Ort angekommen zu sein.
Ich glaube, gute Orte wachsen oft genau so.
Nicht durch Plakatwände.
Sondern durch einen Satz wie:
„Da musst du mal hingehen.“
Je länger ich darüber nachdenke, desto weniger glaube ich, dass Menschen wegen der Geräte kommen. Geräte kann man kaufen, Trainingspläne ebenfalls. Man kann Hallenzeiten mieten, Logos entwerfen, Webseiten bauen und Kurssysteme entwickeln. All das ist wichtig – aber noch nichts davon erklärt, warum Menschen bleiben.
Kultur lässt sich nicht bestellen.
Sie entsteht langsam, aus tausenden kleinen Begegnungen, aus gemeinsamem Scheitern und gemeinsamem Lachen, aus Matten, die zum hundertsten Mal gemeinsam weggeräumt werden, und aus der Selbstverständlichkeit, mit der jemand einen völlig fremden Menschen fragt:
„Soll ich dich sichern?“
Vielleicht ist Kultur genau deshalb so kostbar.
Weil sie nie fertig ist.
Jeder Trainingsabend bestätigt sie ein kleines Stück.
Oder verändert sie.
Was dort eigentlich entsteht
Lange hätte ich wahrscheinlich gesagt, dass wir einen Verein bauen.
Heute würde ich das nicht mehr so formulieren.
Ein Verein ist zunächst einmal eine Organisationsform. Er besteht aus Satzungen, Mitgliedsbeiträgen, Vorstandssitzungen und erstaunlich vielen E-Mails, die man sich beim Gründen irgendwie romantischer vorgestellt hatte. Das alles gehört dazu – aber niemand kommt wegen einer gut formulierten Satzung zum Training.
Was Menschen anzieht, ist etwas anderes.
Ich glaube, wir bauen Möglichkeiten.
Bei diesem Satz bekomme ich allerdings IKEA nicht mehr aus dem Kopf.
Also formuliere ich lieber vorsichtiger.
Vielleicht bauen wir gar nichts.
Vielleicht entstehen dort Möglichkeiten.
Keine großen.
Keine spektakulären.
Sondern erstaunlich kleine.
Ein Kind traut sich zum ersten Mal auf die Hände, ein Erwachsener merkt, dass sein Körper vielleicht doch noch neugieriger ist, als sein Personalausweis vermuten lässt, jemand entdeckt, dass Kraft und Freundlichkeit sich überhaupt nicht widersprechen, und ein anderer stellt fest, dass Scheitern erstaunlich viel von seinem Schrecken verliert, wenn drei andere gleichzeitig ebenfalls scheitern.
Das sind keine Revolutionen.
Eher kleine Verschiebungen.
Aber manchmal verändern genau diese kleinen Verschiebungen ein Leben – vielleicht nicht sofort, vielleicht erst Jahre später und vielleicht erst dann, wenn jemand in einer anderen Stadt in einer anderen Halle steht und plötzlich merkt, dass ihm etwas fehlt, das sich nur schwer benennen lässt.
Dann war es wahrscheinlich nie nur Training.
Nachklang
Wenn ich heute auf den Namen schaue, muss ich manchmal lächeln – nicht, weil ich ihn besonders genial finde, sondern weil ich glaube, dass er klüger war als ich.
Motion Playground.
Ein Bewegungsspielplatz.
Damals war das einfach ein Name, der sich richtig anfühlte. Heute beschreibt er ziemlich genau das, was dort jeden Abend entsteht: nicht perfekt, nicht immer und ganz sicher nicht ohne Chaos.
Es gibt Trainingseinheiten, die völlig anders laufen als geplant, Konflikte und Missverständnisse, Menschen, die ihre Trinkflaschen vergessen, und offenbar mindestens eine Matte, die sich hartnäckig weigert, dauerhaft an ihren Platz zurückzukehren.
Gerade deshalb glaube ich inzwischen, dass lebendige Räume nie fertig sind. Sie müssen immer wieder neu gestimmt werden – durch Sprache, Humor, Aufmerksamkeit und gemeinsame Verantwortung, manchmal aber auch einfach dadurch, dass jemand nach dem Training noch fünf Minuten länger bleibt und mithilft.
Vielleicht ist das überhaupt das Schönste, was ich über Motion Playground sagen kann.
Nicht, dass dort besonders gute Handstände gelernt werden, auch wenn ich mich darüber natürlich freue.
Sondern dass Menschen irgendwann nach Hause gehen und etwas mitnehmen, das sich nur schwer in Wiederholungen, Trainingsplänen oder Muskelgruppen ausdrücken lässt: ein wenig mehr Mut, ein wenig mehr Vertrauen, ein wenig mehr Neugier und vielleicht die Lust, den eigenen Möglichkeiten noch einmal zu begegnen.
Wenn ehemalige Mitglieder Jahre später zurückkommen und erzählen, dass sie lange nach einem ähnlichen Ort gesucht, aber keinen gefunden haben, freue ich mich natürlich.
Vor allem aber macht es mich demütig.
Denn dann wird mir klar, dass dort offenbar etwas entstanden ist, das ich allein niemals hätte planen können.
Vielleicht ist genau das ein Resonanzraum.
Ein Ort, der irgendwann beginnt, nicht nur die Menschen zu verändern, die ihn betreten, sondern auch denjenigen, der einmal glaubte, ihn gebaut zu haben.
Ich leite diesen Verein.
Das stimmt.
Aber ich werde dort genauso geleitet – von den Menschen, ihren Geschichten, ihren Fragen, ihrem Vertrauen und von all den kleinen Rückmeldungen, die mir immer wieder zeigen, dass der Name tatsächlich früher verstanden hat, worum es hier einmal gehen würde.
Ein Spielplatz ist kein Ort, an dem nichts zählt.
Er ist ein Ort, an dem Dinge wichtig werden dürfen, bevor sie endgültig sind.
Vielleicht war der Name deshalb wirklich von Anfang an Programm.